Synergie
Seit Leben existiert und evolviert ist erkennbar, das Vereinzelung letztendlich im Kollektiven aufgeht. Menschliches Leben hervorgegangen aus einer Zelle, besteht im Endzustand aus einem hochkomplexen Zellverbund von Milliarden spezialisierter Zellen, die absolut synergistisch agieren. Ähnliches zeichnet sich ab auf der nächsthöheren Organisationsebene der Sozialisation in Familien, Stämmen, Völkern, Staaten. Nicht nur im Menschen- auch im Pflanzen- und Tierreich ist ähnliches zu beobachten.
Der Kern
Warum ist das wichtig zu erkennen? Kollektivität ist Urantrieb allen Lebens, weil dahinter das einende Element des Atmas steht. Der göttliche Befehl „Möge ich viele sein“. Alles was existiert, enthält diesen Kern, aber erst auf der Stufe von Leben kann dieser einheitliche Kern bewusst werden – dass wir alle dieser edlen Herkunft sind. Den Bogen zurück zu schlagen zu seinem Erfinder, ist erst dem Menschen möglich, was ihn an die Spitze der Evolution setzt. „Namaste“, welch schöne Geste ist dieser indische Gruß, der ausdrückt „Mein Atma (Göttliches) begrüßt Dein Atma“.
Kollektivität
Das ist es letztlich, was unser Miteinander entkrampfen kann von Geiz, Gier, Konkurrenz und all den Negativ-Mantras der egoistischen Neuzeit. Jüngste Forschungen zeigen eindeutig, dass sowohl im Pflanzen- wie Tierreich „Emotionales“ geschieht, dass selbst Raubtiere Empathie für ihre Opfer empfinden. Trivial Darwinismus „Fressen und Gefressen werden“ ist überholt. Nicht von ungefähr wird dem Kehlzentrum (Vishuddhi) des Chakrensystems das universale Prinzip Kollektivität zugeschrieben – sehr stimmig, denn hier haben wir auch die Organe der Kommunikation und Tatkraft. Stimme, Ohren, Orientierung, Hände unterliegen dem Cervicalplexus bzw. dem Vishuddhi- Chakra. Diesem Zentrum ist auch der Raum zugeordnet – das Medium und die Dimension zugleich – die alle Schöpfung enthält.
Yoga des Mitgefühls
Im Kontext dieses evolutionären Kosmos, kann Yoga sich nicht mehr erschöpfen in individualistischer Einzelerfahrung und abgetrennter Entwicklung. Yoga, genauer spirituelles Yoga und damit Meditation muß sich öffnen zu einer kollektiven umarmenden Bewegung für jedermann. Religion, Alter, Beruf, Stand, Rasse, Kaste, Geschlecht, Geld, Macht, Ruf sind bedeutungslos. Was tun? Man muß die Leute abholen, wo sie gerade sind. Es geht nicht mehr um die eigene Position, sondern das Mitnehmen des Anderen. Auch dann redet man noch aneinander vorbei, da Elementares nur von Herzen spürbar wird. Aber darum läßt sich bitten: “Shri Kundalini mache, daß die Menschen nicht mein Ego, sondern nur Deine Weisheit vernehmen“. Dann geschieht Überraschendes: Spontan verbindet uns eine mächtige Energie des Mitgefühls. Sie ist nichts anderes als die Kundalin selbst. So werden Kontakte und Gespräche zu einem Austausch von Herz zu Herz. Dann lassen sich Brücken schlagen und auch Unbequemes aussprechen. Heran wächst eine neue Persönlichkeit, die Herausforderungen nicht mehr als Kampf und Egobestätigung sieht, sondern gelassen der Vorsehung überlässt. Somit ist die Kundalini nicht nur individuelle, sondern wohlwollende kollektive Gestalterin.