Machbarkeit versus Demut
Seit jeher versucht er es. Philosophie und Forschergeist machen den Menschen einerseits zum winzigen Teilaspekt unendlicher Schöpfung, andererseits zum Halbgott, der die Ketten seiner Beschränkung sprengen möchte. Die Grenze zum Unendlichen zu überschreiten ist spirituelles Erbe und Sehnsucht, hineingeboren durch den evolutionären Impuls der in allem wirkt. Was kann er tun? Er versucht all seine Fakultäten auszuloten. Dies sind Körper, Intellekt und Psyche. Als Gegenteil zu Demut und Hingabe, die erforderlich wären, geht er zuerst den Weg der Machbarkeit und des Willens. Der Weise Patanjali definierte bereits 200 v. Chr. in seinen Yoga-Sutras: “Yoga ist die freiwillige Vermeidung irrelevanter mentaler Aktivität.” Damit meinte er den Zeugenstatus, einen Zustand mentaler Stille, oder auch Gedanken freien Bewusstseins (Nirvichara Samadhi). Physiologisch ausgedrückt, ist es sensorische Wahrnehmung, ohne zu reagieren, Wachheit ohne sich zu involvieren. Dies ist der früheste Hinweis, dass das Ziel allen Yogas eigentlich Zurücknahme und nicht maximaler Anstrengung bedarf – egal ob körperlicher, gedanklicher oder emotionaler. Mantras, Posen, Pranajama, Mudras, oder Mandalas erhalten ihre spirituelle Kraft weder durch die Monotonie endloser Wiederholung, noch durch Kraft oder Willensanstrengung, sondern über das Bewusstsein ihrer Bedeutung, gepaart mit Innigkeit und Hingabe (Bhakti).
Universale Wahrheit
Ringen um Wahrheit ist dem Menschen angeboren. In allen Zeiten der Verwirrung, sind die Stimmen zweifelhafter Propheten besonders laut. Wahrheit ist ihrer Natur nach aber subtil und leise, so dass wir uns heute leicht täuschen lassen von der Lautheit und Aufdringlichkeit vorgetragener Theorien und Heils-Konzepte. Das Wissen um das Äußere ist die Forschung. Das Wissen um das Innere ist die Psychologie. Beide werden transzendiert im Laufe der Entwicklung. Die Dogmatik ihrer Erkenntnis verliert sich letztlich in der Einsicht, des Nie-an-ein-Ende-Kommen, so treffen sie sich in der Spiritualität. Wahres Wissen muss universal sein, es muss sich auf alle Bereiche und Ebenen des Lebens anwenden lassen, andernfalls wäre es nur eine Teilwahrheit und damit begrenzt. Wissen dieser Art kann andererseits nicht gleichmacherisch sein, denn die Individuation und Vielgestaltigkeit ist ein Hauptkennzeichen dieser Schöpfung. Wissen dieser Art muss anerkennen, dass etwas Höheres (Gottes-Prinzip) immerdar existiert, denn die persönliche und kollektive Evolution muss sowohl Ursprung als auch ein Ziel besitzen.
Namen
Die Motivation etwas Höheres zu verehren wird soziopsychologisch gern dem Überlebenskampf zugeschrieben. Tatsächlich aber hat der Mensch – unabhängig von seiner existentiellen oder sozialen Situation in allen Zivilisationsformen – schon immer der Anerkennung, Huldigung und Anbetung einer höheren Macht gefrönt. Ganz einfach deshalb, weil das Verlangen dazu in ihm eingebaut ist. Es ist einfach da, vielleicht mit unterschiedlichem Namen, aber präsent als universaler Antrieb der Evolution. – Eine beispielhafte Aufzählung finden Sie hier.
Shri Mataji und ihr Mann beim Fischen. Manchmal hängt man auch am richtigen Haken.